Institut für Germanistik: Literatur, Sprache, Medien

'Literaturexplosion' und Weltbildwandel

Das späte Mittelalter bringt tiefgreifende Änderungen im Weltbild, in den religiösen und gesellschaftlichen Lebensformen und in den sie begleitenden staatlich-wirtschaftlichen Strukturen. All dies geht mit einer massiven Ausweitung und Ausdifferenzierung der literarischen Überlieferung, ihres potentiellen Publikums und ihrer Funktionen einher – man spricht geradezu (noch vor dem Buchdruck!) von einer spätmittelalterlichen 'Literaturexplosion'. Gegenüber dem hohen Mittelalter wirkt die Literatur dieser Zeit häufig spröder, fremder, unzugänglicher – das Neuere erscheint nicht immer vertrauter.

Hintergrund auch der literarischen Prozesse sind veränderte und sich weiter verändernde bildungsgeschichtliche Standards (eine verstärkte Alphabetisierung besonders in den Städten, die wachsende Rolle bürgerlich-patrizischer Kreise als Auftraggeber und Rezipienten); fortschreitende Terraingewinne der Volkssprache bis hin zur Eroberung bisher dem Latein vorbehaltener Bereiche; vielschichtige technisch-mediale Innovationen bis hin zum Buchdruck.