Institut für Germanistik: Literatur, Sprache, Medien

Sog. ‚Mittelalterliches Hausbuch‘

Das sog. ‚Mittelalterliche Hausbuch‘ ist eine künstlerisch aufwändige und repräsentative Bilderhandschrift, die wahrscheinlich von einer im Bergbau zu Vermögen gekommenen Familie um das Jahr 1480 in Auftrag gegeben wurde. In der Kunstgeschichte sind seine Zeichnungen weithin bekannt. Der oder die Zeichner gelten als bedeutende Künstler im Übergang vom Mittelalter zur Renaissance. Das Hausbuch enthält eine Planetenlehre, Höfische Szenen, eine Gedächtniskunst und einen Münztraktat. Neben den kunst- und kulturgeschichtlich bedeutsamen Genreszenen finden sich auch eine Reihe technischer Skizzen. Außer einigen Abbildungen zur Kriegstechnik bestechen vor allem Skizzen zur Bergwerkstechnik. Einige Zeichnungen zeigen etwa Stampfwerke und mechanisch betriebene Blasebälge, die alle von einem Wasserrad mit mehreren Umlenkungen innerhalb eines Hüttenwerkes angetrieben werden. Die Handschrift wurde 2008 von der Familie Waldburg-Wolfegg verkauft und befindet sich heute in Privatbesitz. 1997 erschien ein kommentiertes Faksimile. Rechtefrei lässt sich aber leider nur ein älteres Faksimile präsentieren.

Das Gerät wurde in älteren Veröffentlichungen als Pochwerk bezeichnet. Es zeigt jedoch wahrscheinlich eine per Riemenscheibe und Nockenwelle angetriebene Pumpe zum Entwässern von Bergwerken (Mittelalterliches Hausbuch, fol. 38r, Privatbesitz – Abbildung Public Domain)

Abbildungen der Handschrift in der Iconographic Database des Warburg Institute