Institut für Germanistik: Literatur, Sprache, Medien

Gewindeheber

Dass man über lange Gewindestangen erhebliche Zugkräfte ausüben und damit entsprechende Geräte zum Heben von Lasten einsetzen kann, zeigt Leonardo da Vinci in dieser Zeichnung. Die Technik an sich ist nicht neu. Bereits um 1235 zeichnete Villard d’Honnecourt einen ähnlichen Gewindeheber. In Spindelpressen wurde das Prinzip auch zur Ausübung von Druck angewandt. Leonardo gelang jedoch eine deutliche Verbesserung des Hebers. Seine Skizze zeigt, dass die Mutter des Hebers auch mit einer Gewindeschnecke angetrieben werden konnte, um noch größere Momente zu übertragen. Zugleich reduziert ein horizontales Kugellager die Reibung der Mutter. In der Beischrift machte er sich überdies Gedanken über die an den Stützen wirkenden Biegekräfte (D. Lohrmann: Codex Madrid I, 2018, S. 112).

 

 

Gewindeheber (Biblioteca Nacional de España Madrid, Codex Madrid I, fol. 26r; Lizenz: non commercial)

 

Auch bei Ingenieuren im deutschsprachigen Raum war der Gewindeheber bekannt, wofür sich einige Beispiele aus Skizzenbüchern bereits vor der Mitte des 15. Jahrhunderts anführen ließen. Er gehörte zum Standardrepertoire der Hebetechnik, wie der Gewindeheber von Martin Merz um 1473 und der seines Kollegen Philipp Mönch aus dem Jahr 1496 zeigen. Im Vergleich zu Leonardo ist die Konstruktion jedoch einfacher. Der Antrieb der Mutter erfolgt über vier Handhaben. Statt eines Mannes zur Bedienung der Kurbel wurden hier also vier Männer benötigt, um schweres Gerät anzuheben. Ob die hölzerne Mutter noch ein Lager hat, ist nicht zu erkennen. Vermutlich war keines vorhanden, so dass die Reibung beträchtlich war und die Auflageflächen regelmäßig geschmiert werden mussten.

 

Gewindeheber von Martin Merz, um 1473 (Bayerische Staatsbibliothek München, cgm 599, fol 15r – Lizenz CC BY-NC-SA 4.0) (links)

 

 

 

 

 

Gewindeheber von Philipp Mönch, 1496 (Universitätsbibliothek Heidelberg, cpg 126, fol. 22r – Lizenz CC BY-SA 3.0 DE) (rechts)