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Teilinstitut Germanistische Mediävistik und Frühneuzeitforschung
Sekretariat Prof. Dr. Mathias Herweg: Frau Anke Egelkraut
Geb. 20.30, 4.OG, Raum 4.003

 

Sprechstunde Sekretariat:

Di & Do von 10:00 bis 11:00

Achtung: Vom 23.12.19 bis zum 06.12.2020 ist das Sekretariat geschlossen.

 

Tel. +49 721 608-42900

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E-Mail:  anke egelkrautRqv0∂kit edu


Postanschrift

 

Karlsruher Institut für Technologie (KIT) 

Institut für Germanistik: Literatur, Sprache, Medien

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Leonardo da Vinci als Ingenieur

Leonardo da Vinci (1452-1419) war nicht nur ein Ausnahmekünstler. Da die Renaissancehöfe Italiens auch einen stetigen Bedarf an militärischer und ziviler Technik hatten und nicht immer lukrative Aufträge für Kunstwerke anstanden, verdingte sich Leonardo regelmäßig auch als Ingenieur. Schon in seinen frühen seit 1482 Jahren am Hof des Ludovico Sforza in Mailand beschäftigte er sich ausführlich mit Militärtechnik wegen der anstehenden Kämpfe Mailands mit der Republik Venedig. Er betreute auch eine Reihe von größeren und kleineren Bauvorhaben und erwarb sich einen Ruf als Bauingenieur. Das Spektrum reichte dabei vom Badepavillon über die Vollendung des Mailänder Doms bis hin zur Stadtplanung. Auch seine späteren Auftraggeber setzten ihn immer wieder als Kriegs- oder Bauingenieur ein.

Es ist also naheliegend, dass sich ein erheblicher Teil von Leonardos hinterlassenen Zeichnungen, Skizzenbüchern und Traktaten mit Technik und Mechanik beschäftigen.

 

Leonardo Da Vinci, Selbstportrait (Biblioteca Reale, Turin – Lizenz: Gemeinfrei)

 

Einige seiner Skizzen gelangten zu Weltruhm. Wer kennt nicht das berühmte Bild eines Flugapparates, der einem modernen Hubschrauber ähnelt und vielfach in Modellen nachgebaut wurde? Allerdings handelt es sich dabei um nicht mehr, als den Versuch, die allgemein bekannte Archimedische Schraube im Medium Luft auszuprobieren. Mit vielen der geradezu ikonischen Erfindungen Leonardos verhält es sich ähnlich. Wie seine Fluggeräte funktionierten sie nie, waren aber stets Versuche, existierende Technik weiterzuentwickeln und sie in neue, vielversprechende Kontexte zu transferieren. Dabei bediente er sich oft einer grundlegenden Methode der Ingenieurskunst: der Reduktion technischer Geräte auf ihre Grundprinzipien und die Zerlegung komplexer Maschinen in ihre Grundbestandteile, um dann wie aus einer Art Baukastensystem potentieller Problemlösungen und bekannter technischer Mittel neue Maschinen zu konstruieren.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Leonardo da Vinci, Luftschraube (Paris, Institut de France, sog. Manuskript B, fol. 83v; Lizenz: Gemeinfrei)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Zerlegung von Maschinen in einzelne Maschinenelemente, die dann neu kombiniert werden konnten, hat Leonardo da Vinci nicht erfunden. Viele seiner italienischen Vorgänger, etwa Guido da Vigevano (um 1280-um 1350), Giovanni Fontana (um 1395 – 1455) oder Francesco di Giorgio Martini (1439-1501) wandten solche Techniken an. Auch die nicht wenigen Ingenieure und Techniker des deutschsprachigen Raums ließen in ihren Skizzenbüchern erkennen, dass Sie Maschinenelemente segmentieren und auch zu neuen, gelegentlich die Grenzen des Möglichen überschreitenden Maschinen neu zu kombinieren wussten. Wie Leonardo beschäftigten auch sie sich oft mit Kriegstechnik, daneben auch mit Bautechnik und allgemeiner Antriebstechnik.

Leonardo da Vinci, überdimensionale Armbrust auf Lafette, mit einzeln gezeichneten Maschinenelementen zu Arretierung, Abzug und Spannung mit Gewindeschnecke (Biblioteca Ambrosiana Mailand, sog. Codex Atlanticus, fol. 53v; Lizenz: Gemeinfrei)

 

An einigen Punkten unterscheiden sie sich dennoch vom großen ‚Universalgenie‘. Während Leonardo sich auch mit der Theorie der Mechanik beschäftigte, waren sie eher Pragmatiker. Sie setzten auf Bekanntes und Bewährtes und verzichteten dabei auf Versuche, mechanische Prinzipien auch theoretisch zu durchdringen. Ihre Zeichnungen stehen oft für sich und verzichten auf Texte zur Erläuterung. Auch zeichnerisch zeigt sich ein gewisser Abstand. Leonardo zeichnete Maschinen entweder in radikaler Reduktion auf mechanische Prinzipien, um mechanische Gesetze offenzulegen, oder er zeichnete komplette Maschinen, dann jedoch in großer Präzision und korrekter Perspektive. Im Vergleich dazu wirken die Maschinenzeichnungen deutschsprachiger Ingenieure roher. Doch auch ohne ästhetischen Anspruch, korrekte Perspektive und theoretischen Anspruch weisen sie durchaus methodische Parallelen zu Leonardos Skizzen auf. Um dies zu verdeutlichen, zeigen wir Ihnen u.a. einige Vergleiche von Maschinen und Maschinenelementen Leonardos mit Skizzen seiner deutschsprachigen Kollegen.

 

Leonardo da Vinci, Zahnrad mit Angaben zur Konstruktion und Berechnungen zur Wirkungsweise aus dem Codex Madrid I (Biblioteca Nacional de España Madrid, Codex Madrid I, fol. 5r; Lizenz: non commercial)