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Stimmen zu Karlsruhe

Voltaire (1694-1778)

Ein Asyl der Ruhe (1758)

"Immer noch spreche ich ständig von meinem Aufenthalt in Karlsruhe. Die Natur hat diesen Ort angenehm geschaffen. Sie verschönen ihn noch durch ihre Kunst. Wer auch immer seine Fürstin gesehen hat, wünscht sich leidenschaftlich, ihr noch einmal seine Aufwartung machen zu dürfen. Als ich die Ehre hatte, im Schlosse Ew. Hoheiten zu weilen, fühlte ich mich in meinen Gedanken bestätigt, Deutschland sei jetzt das, was Italien einmal zur Zeit der Herzöge von Ferrara und der Medici war." (S.20*)
Karlsruhe in alten und neuen Reisebeschreibungen, ausgewählt von Klaus-Jörg Ruhl, Düsseldorf 1991.

 

 

Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832)

Aus "Ich teilte ihm die neusten Szenen des ´Faust´ mit" (1775)

"Nachdem die nunmehr als englisch angesprochenen Gläser unsere Zeche verstärkt hatten, eilten wir nach Karlsruhe getrost und heiter, um uns zutraulich und sorglos in einen neuen Kreis zu begeben. Wir fanden Klopstock daselbst, welcher seine alte sittliche Herrschaft über die ihn so hoch verehrenden Schüler gar anständig ausübte, den ich denn auch nich gern unterwarf, so daß ich, mit den anderen nach Hof gebeten, mich für einen Neuling ganz leidlich mag betragen haben. Auch ward man gewissermaßen aufgefordert, natürlich und doch bedeutend zu sein. (...) Einige besondere Gespräche mit Klopstock erregten gegen ihn, bei der Freundlichkeit, die er mir erwies, Offenheit und Vertrauen; ich teilte ihm die neusten Szenen des ´Faust´ mit, die er wohl aufzunehmen schien, sie auch, wie ich nachher vernahm, gegen andere Personen mit entschiedenem Beifall, der sonst nicht leicht in seiner Art war, beehrt und die Vollendung des Stücks gewünscht hatte. Jenes ungebildete, damals mitunter genial genannte Betragen ward in Karlsruhe, auf einem anständigem, gleichsam heiligen Boden, einigermaßen beschwichtigt." (S.33f.)
Karlsruhe in alten und neuen Reisebeschreibungen, ausgewählt von Klaus-Jörg Ruhl, Düsseldorf 1991.

 

Im Metzler-Goethe-Lexikon findet man folgenden Eintrag zum Thema Karlsruhe:

" 'Die Grafen Stolberg, von Haugwitz und Göde sind hiergewesen, mir war es sehr angenehm, ihre Bekanntschaft zu machen', freute sich Carl Friedrich von Baden (an Klopstock, 23.5.1775) über Goethes ersten Aufenthalt vom 17.-23.5.1775. [...] Vom 19.-21.12.1779 besuchte Goethe wiederum die Residenzstadt. Einen letzten Abstecher von Heidelberg aus unternahm er zusammen mit Sulpiz Boisserée vom 3.-5.10.1815: Goethe traf mit Hebel und Jung-Stilling zusammen, besuchte K. Chr. Gmelins Naturalienkabinett und befand später über Karlsruhe, dass es 'wegen Gartenanlagen und botanischer Anstalten, schöner naturhistorischer und Kunstsammlungen und bedeutender neuer Gebäude Gelegenheiten gibt zu den wichtigsten Betrachtungen' (KuA)"
Metzler-Goethe-Lexikon: alles über Personen, Werke, Orte, Sachen, Begriffe, Alltag und Kurioses; mit 2200 Artikeln, hgg. von Benedikt Jeßling..., Stuttgart/Weimar 1999.

 

 

Heinrich von Kleist (1777-1811)

Die Stadt ist wie ein Stern gebaut(1801)

"Bei Durlach saßen wir einmal beide auf dem Turnberg, und sahen die Sonne jenseits des Rheins über den Vogesen untergehen. Entsinnst Du Dich wohl noch unsers Gesprächs? Mir war das alles wieder lebendig, als ich diesmal dicht an dem Fuße dieses Berges vorbeiging. - Ich bin diesmal auch in Karlsruhe gewesen, und es ist schade, daß Du diese Stadt, die wie ein Stern gebaut ist, nicht gesehen hast. Sie ist klar und lichtvoll wie eine Regel, und wenn man hineintritt, so ist es, als ob ein geordneter Verstand uns anspräche." (S.67)
Karlsruhe in alten und neuen Reisebeschreibungen, ausgewählt von Klaus-Jörg Ruhl, Düsseldorf 1991.

 

 

Philipp Ferdinand Brede (1834-1891)

"Eine Hauptsehenwürdigkeit ist das Schloß" (1806)

"Eine Hauptsehenswürdigkeit von Karlsruhe ist das Schloß, welches eine angenehme Lage hat, sonst aber weder durch seine Größe, noch durch den Adel seiner Architektur sich auszeichnet. Das Leibregiment hatte die Wache. Ein Unteroffizier zeigte uns die Zimmer des greisen Kurfürsten (Großherzogs), welche sich in einem Flügel befinden und von der Garde du Corps bewacht werden. Mit sichtbarem Enthusiasmus machte er uns unter andern auf den Punkt aufmerksam, wo er auf der Wache stehend Napoleon dicht vor sich vorbei gehend sah. Er sprach von ihm, wie von einem Wunder der Natur, das man begeistert anstaunt, ohne es begreifen zu können." (S.77f.)
Karlsruhe in alten und neuen Reisebeschreibungen, ausgewählt von Klaus-Jörg Ruhl, Düsseldorf 1991.

 

 

Josef Victor von Scheffel (1826-1886)

"Am Bahnhof wurden Volksreden gehalten" (1848)

"Am Morgen war´s ruhig. Die Kammer war wieder ungeheuer besucht und nicht nur die Galerie, sondern auch alle Gänge und der große Hof besetzt,- trotz häufigen Regens. Nach dem gestern gefaßten Beschluß wurde heut´ überall die angeregten Volkspetiter Bericht erstattet. Die Kammer trat fast einstimmig allen Vorschlägen bei. Hecker schrieb immer den Verlauf der Diskussion auf und Struve trug der im Hofe harrenden Menge denselben vor. Gegen 4 Uhr Nachmittags war die Sitzung vollendet. Auch die bedeutendsten Hoffnungen derer, die auf dem Weg der gesetzlichen Reform Umgestaltung unserer politischen Zustände wünschen, waren erfüllt. Ungeheure Bravorufe erschallten. Eine große Anzahl der fremden Gäste zog mit dem letzten Bahnzug ab;- am Bahnhof wurden noch Volksreden gehalten, und den Karlsruhern, weil sie ihre Ordnung gegen fremde Randalierer (zum Teil wahrhaftige Lausbuben!) aufrecht erhielten, große Pereats gebracht. Aber es waren auch eine Anzahl fremder Gäste in unsere Mauern eingezogen, die etwas ganz Anderes wollten, als Gesetz und Freiheit. Diese blieben hier... (...) Wir waren ganz gemütlich beisammen, hatten eine Patrouille in die nächste Kneipe geschickt, um ein bedeutendes Quantum Bier zu holen, da ertönten Siganlschüsse, Feuerlärm, Generalmarsch, und wie wir unters Gewehr traten, war schon der ganze Himmel glührot vom Feuerglanz. Wahrscheinlich um eine reale Demonstration gegen den deutschen Bund zu machen, vielleicht auch als Demonstration in Sachen der Gefangenen, war unser Ministerium der auswärtigen Angelegenheiten in Brand gesteckt worden und brannte auch, trotz der wahrhaft großartigen Anstrengungen des Pompierkorps, samt einem Teil des daran stoßenden Hotels des Fürsten von Fürstenberg ab. Da man nicht anders vermutete, als dieses Feuer sei nur angelegt, um die Aufmerksamkeit abzulenken und irgendwo anders losbrechen zu können, so war die Sache ernst. Amos und ich wurden in die nächste Infanteriekaserne geschickt, um scharfe Munition zu holen, und brachten auch 30 Patronen zurück. Zugleich war gemeldet worden, daß man im Hardwald Verdächtiges wahrnehme und daß im Hause des Finanzministers Regenauer Brandstoffe gefunden worden seien. - Wir waren auf alles gefaßt; es kam aber nichts, als gegen Mitternacht ein blinder Lärm, Schuß auf Schuß, Hallohrufen usw. , der die ganze Stadt in Allarm setzte, aber auf einem Schildwachenirrtum beruhte. Unser kleiner neu einexerzierter Posten hat sich gut gehalten, die Stimmung war sehr entschlossen. Erst nach Mitternacht wurden wir abgelöst, und machten dann eine große Streifpatrouille in den Hardwald und an den anstoßdenden Gärten. Es wurde nichts gefunden. Um 5 Uhr morgens kam ich erst zu Bette. -" (S.108ff.)
Karlsruhe in alten und neuen Reisebeschreibungen, ausgewählt von Klaus-Jörg Ruhl, Düsseldorf 1991.

 

 

Harald Hurst (1967-)

"Auf das modisch Gefällige zurückgestutzt" (1990)

"Das graue Etikett, eine Beamtenstadt ohne Eigenschaften zu sein, klebt zäh an dieser Stadt, auch wenn es einen Zustand von 1815 verewigt, als laut Statistik nahezu die Hälfte der Bevölkerung als Hof- und Militärbeamte tätig war. Gesellschafts- und Wirtschaftsstruktur haben sich gewandelt, die Bevölkerung ist seither um das zwanzigfache angestiegen. Die Beamtenschaft hat sich auf ein erträgliches Maß verdünnt. Trotz allem ist ein Stückchen Etikett noch immer zutreffend, das Bürokratische ist ein spürbares Element geblieben. (...) Kein anderer Baustil als der des Stadtplaners und Architekten Friedrich Weinbrenner hat Geist und Mentalität dieser Stadt so ihrem Wesen gemäß in steinerne Formen gebracht. Das Rathaus, die Stadtkirche, die "Müne" blicken maßvoll kühl, streng, aber nicht abweisend auf den Betrachter. Diese Gebäude, liebevoll renoviert, haben die Ausstrahlung leutseliger, umgänglicher Hofbeamter aus großherzoglicher Zeit. (...) Wenn der Karlsruher seine Stadt vollmundig und uneingeschränkt lobt, dann meint er hauptsächlich ihre Umgebung, ihre landschaftliche Lage am Rande der oberrheinischen Tiefebene. Im Osten das sanft gewellte Hügelland des Kraichgaus, das mit sauren Kutteln und Besenwirtschaften ins Württembergische führt. Im Westen die Pfalz mit ihrer lockeren Winzermentalität, ihrem leichtlebigen Menschenschlag. Und, nur einen Katzensprung entfernt, Frankreich, das alte Bauernland des Elsaß mit Straßburg, dem verwinkelten Herzkämmerlein Europas. Südwärts schwebt man mit der Städtischen Straßenbahn für fünf Mark in etwa einstündiger Fahrt über Rüppur, Ettlingen durch ein enorm liebliches Tal nach Bad Herrenalb. Das liegt bereits im Schwarzwald. Na ja, fast. Jedenfalls sieht es dort schon so aus." (S.288ff.)