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Geschichte der Universität Karlsruhe

Die Universität Karlsruhe (TH) ist die älteste Hochschule in der Bundesrepublik Deutschland. In Anlehnung an das Vorbild der berühmten École Polytechnique in Paris wurde sie 1825 durch Großherzog Ludwig von Baden als 'Polytechnische Schule' errichtet. Allerdings schloß die neue Anstalt bereits Teile von zwei älteren badischen Spezialschulen ein, nämlich:

 

  1. die architektonische Zeichenschule, die von Friedrich Weinbrenner 1768 in eine 'Bauschule' umgewandelt wurde, und
  2. die 1807 von Gottfried Tulla gegründete 'Ingenieurschule'.

 

In den folgenden Jahren wurde die Schule ständig erweitert, um- und reorganisiert.

 

Im ganzen 19. Jahrhundert war die Polytechnische Schule Karlsruhe - die spätestens seit 1865 als Technische Hochschule betrachtet werden muß - ein Modell für technische Ausbildungsanstalten in allen deutschsprachigen Ländern, auf den Feldern der Organisation, der Wissenschaftlichkeit sowie der akademischen Anerkennung (diese wurde damals von den klassischen Universitäten exklusiv beansprucht). Die Leistung Karlsruhes wie anderer Technischer Hochschulen im 19. Jahrhundert bestand in der Überwindung des bloß Handwerklichen mit seinen statischen Regeln sowie der allzu engen Abhängigkeit von Gewerbe und Industrie durch wissenschaftliche Theorie und wissenschaftsgestützte Methodik.

 

Seit 1885 führte Karlsruhe die Bezeichnung Technische Hochschule (TH); der letzte Schritt zur völligen Gleichstellung dieser mit den Universitäten wurde 1899 vollzogen. Die TH bekam das Recht, die Doktorwürde zu verleihen. Dies übrigens auch an Frauen, denn es war das damalige Großherzogtum Baden, das 1900, als erster Bundesstaat des Deutschen Reiches, Frauen das Recht auf ein ordentliches Studium an den Universitäten des Landes einräumte. Die Karlsruher Technische Hochschule erwarb sich damals schon bald den Ruf besonderer Toleranz. So war es zum Beispiel die Fakultät für Chemie der Technischen Hochschule Karlsruhe, die 1915 als erste in Deutschland einer Frau den Doktortitel verlieh. In Karlsruhe war 1893 auch das erste deutsche Mädchengymnasium eröffnet worden.

 

1902 nahm die Hochschule nach ihrem Förderer Großherzog Friedrich I. von Baden den Namen 'Friedericiana' an. Im 19. Jahrhundert und im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts gelangte die Technische Hochschule Karlsruhe zu Weltruf. Hervorragende wissenschaftliche Leistungen vollbrachten hier - um nur einige Beispiele zu nennen - Heinrich Hertz, der die elektromagnetischen Wellen nachwies; oder der - freilich umstrittene - Nobelpreisträger Fritz Haber, dem die Hochdrucksynthese des Ammoniak gelang; Ferdinand Redtenbacher, der den wissenschaftlichen Maschinenbau begründete und einer neuen Generation von Ingenieuren - wie etwa Carl Benz - das Rüstzeug für bahnbrechende technische Entwicklungen gab. Jedoch haben sich schon seit der Mitte des 19. Jahrhunderts auch die Geistes- und Sozialwissenschaften größere wissenschaftliche Verdienste erworben. Exemplarisch ist hier der Historiker Franz Schnabel zu nennen. In seinem Hauptwerk "Deutsche Geschichte im neunzehnten Jahrhundert" (1934) brachte er den Geist, aus dem die Technische Hochschule entstand, zum Ausdruck: "In dem Ausbau der angewandten Wissenschaften fand der bürgerliche Charakter des Jahrhunderts seinen vollendetsten Ausdruck. (...) Es war eine späte Verwirklichung jenes Geistes der Autonomie und Verweltlichung, der in der abendländischen Entwicklung seit Jahrhunderten angelegt war".

 

Im Sommer 1948, nach der NS-Ära und der Währungsreform, die der Technischen Hochschule finanziell schwer zu schaffen machte und sie kurz vor die Schließung brachte, war eine leichte Aufwärtsentwicklung zu spüren. So entschloß sich der Senat, die begrenzten finanziellen und technischen Mittel zu bündeln und die bis dato gelehrten Fächer in drei Fakultäten, nämlich die Fakultät für Natur- und Geisteswissenschaften, die Fakultät für Bauwesen und die Fakultät für Maschinenbau, zusammenzufassen. Es handelte sich allerdings um eine Notlösung, wie am bunten Erscheinungsbild der Fakultät für Natur- und Geisteswissenschaften deutlich wurde. Für die Finanzierung des Wiederaufbaus standen nur bescheidene Summen zur Verfügung,daher schritt die Modernisierung nur langsam voran. Als Beispiel ist der Physikhörsaal zu nennen, den Christian Gerthsen (1948-1956) als schwer erkämpfte Berufungszusage in die Fridericiana einbrachte. Er war mit seinen 750 Plätzen und seinen technischen Einrichtungen der modernste seiner Art.

 

1962 wurde die Hochschulbibliothek, nach jahrelangen Bittgängen, endlich fertiggestellt.

 

In den 60er Jahren nahm die Anzahl der Hochschulstudierenden rapide zu , dies wiederum implizierte eine Zunahme der Lehrstühle. Bereits Ende 1970 verfügte die Hochschule über 141 Lehrstühle. Dieses Wachstum, aber auch neue Lehr- und Forschungsgebiete machten die Errichtung weiterer Fakultäten notwendig, so dass die Fridericiana seit 1973 zwölf Fakultäten umfaßt.

 

Seit 1967 führt die Technische Hochschule die Bezeichnung Universität, wobei der Große Rat darauf bestand, dass die Universität Karlsruhe sich auch weiterhin 'Technische Hochschule' nennen sollte, und zwar in Form der in Klammern gesetzten Abkürzung (TH).