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Franz Schnabel as historian

Mit steter Regelmäßigkeit fällt der Name Franz Schnabels, wenn in der deutschen Geschichtsschreibung von den Aussenseitern die Rede ist, deren Werk eine methodische und politische Alternative zum lange Zeit vorherrschenden Historismus darstellte. Seine vierbändige "Deutsche Geschichte" (1929-37) gilt als innovativer Versuch einer Synthese deutscher Geschichte im 19. Jahrhundert, die nicht nur bisherige Randbereiche wie die Religions- oder auch die Technikgeschichte mit einbezog, sondern auch die Grenzen einer engen Politik- und Ereignisgeschichte überschritt.

 

 

Zitate...

 

... aus seinen Vorwort:
"Bei dieser Sachlage war ich vor die Frage gestellt, ob es dem Historiker gestattet sei, so wesentliche und weite Lebensgebiete wie Naturwissenschaften und Technik von seiner Darstellung auszuschließen. Ich kenne die großen Bedenken (..) aber wenn eine 'Deutsche Geschichte im 19.Jahrhundert' überhaupt geschrieben werden soll, musste ich meinen Weg gehen."
(Vorwort, S.V)

 


Aus Band 3: "Erfahrungswissenschaften und Technik"

... über das 'Eisenbahnzeitalter':
"Die Eisenbahnen haben eine neue Periode der Weltgeschichte heraufgeführt, die mit Recht das 'Eisenbahnzeitalter' genannt wird. Die Eisenbahn wurde das repräsentative Verkehrsmittel des Jahrhunderts." (S.386)

 

"Dies alles waren freilich Kleinigkeiten: Entscheidend blieben die drei großen Verkehrsmittel, die das 19. Jahrhundert geschaffen hat, um die Hindernisse von Raum und Zeit zu überwinden 'Eisenbahn, Dampfschiff und elektrischer Telegraf" (S.391)

 

... über 'Raum und Zeit':
"Wenn Raum und Zeit die großen Trenner waren und die Produktivität nur durch Arbeitsteilung im Zusammenhang mit der Kooperation gesteigert werden konnte, dann war die Eisenbahn das wichtigste Mittel des wirtschaftlichen Fortschrittes." (S.389)

 

"Mit tiefer Bewegung hat Heine im Jahre 1843 die Veränderungen überdacht, die nun in unserer Anschauungsweise, unseren Vorstellungen eintreten müssen (..) 'Was wird es erst geben, wenn die Linien nach Belgien und Deutschland ausgeführt und mit den dortigen Bahnen verbunden werden! Mir ist es, als kämen die Berge und Wälder auf Paris zugerückt. Ich rieche schon den Duft der deutschen Linden; vor meiner Türe brandet die Nordsee.' Jetzt wurde die Welt wirklich kleiner, das Leben länger, die Grenzen weiter." (S.389)

 

... über 'Technik und Demokratie':

"Die Technik hat die Massen beweglich gemacht, zusammengeführt und zu einer neuen, ungeheuern Macht in Staat und Gesellschaft emporwachsen lassen: die moderne Technik nannten wir die wichtigste Bahnbrecherin auf dem Wege zur Demokratisierung der abendländischen Kultur" (S.434)

 

"Die Eisenbahnen waren in der Tat ein demokratisches Institut, das nur durch die Beteiligung der Massen zustande kommen, nur durch sie erhalten werden konnte, das den Armen um nichts langsamer zum Ziele brachte als den Reichen" (S.390)

 

... über 'Technische Bildung':
"Doch die Geschichte einer Hochschule ist nicht die Geschichte ihrer Berechtigungen oder ihrer Organisationsformen. Sie ist auch nicht nur die Geschichte ihres Lehrbetriebs, ihrer Professoren und ihrer Frequenzen, und sie ist am allerwenigsten eine Geschichte ihrer Lehrinstitute. Wer einmal eine umfassende Geschichte der Karlsruher Technischen Hochschule schreiben will, wird an erster Stelle die Bedeutung erfassen müssen, die diese Schule für die Entwicklung von Technik und Industrie des gesamten badischen und oberrheinischen Landes gehabt hat. (..) Aber die gewaltige Entfaltung, die das oberrheinische Wirtschaftsleben in den Jahrzehnten nach der Reichsgründung genommen hat, ist ohne diese Hochschule nicht denkbar, und so ist in Erfüllung gegangen, was Nebenius für sein badisches Land erhoffte, als er durch die Organisierung der Polytechnischen Schule die 'Erziehung zur Industrie' in neuer Weise begann." (S.53/55)