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Profile

Der Historiker Franz Schnabel wurde am 18. Dezember 1887 als Sohn des Kaufmanns Carl Schnabel und seiner Frau Maria in Mannheim geboren. 1906 legte er am dortigen humanistischen Gymnasium die Reifeprüfung ab und studierte in den folgenden vier Jahren Geschichte und Philologie in Berlin und Heidelberg, u.a. bei Erich Marcks und Hermann Oncken. Der Promotion 1910 über den "Zusammenschluß des politischen Katholizismus in Deutschland im Jahre 1848" folgte ein Jahr später das Staatsexamen. Aus dieser Zeit ist eine fast schon programmatische Probearbeit des Lehramtspraktikanten erhalten: "Inwieweit ist die Kulturgeschichte im Geschichtsunterricht der Oberklassen zu berücksichtigen?" (Generallandesarchiv Karlsruhe 235/2478)

 

Franz Schnabel unterrichtete, mit der Unterbrechung der Kriegsjahre 1914 bis 1918, zunächst in Mannheim, sodann an Karlsruher Gymnasien (Lessinggymnasium, Goetheschule) und wurde schließlich am 1. April 1920 zum Gymnasialprofessor ernannt. Zu diesem Zeitpunkt bereitete die TH Karlsruhe seine Berufung an den erst kürzlich von der Literatur getrennten Lehrstuhl für Geschichte vor. Die formalen Voraussetzungen schuf Schnabel 1922 mit der Habilitation über die "Geschichte der Ministerverantwortlichkeit in Baden". Am 1. März 1924 übernahm er zudem die Führung der Direktionsgeschäfte des Badischen Generallandesarchivs.

 

Schnabel war in zweierlei Hinsicht ein untypischer Vertreter seines Fachs: er lehrte an keiner Universität, sondern einer Technischen Hochschule und er vertrat einen von seinen Historikerkollegen sehr verschiedenen Forschungsansatz. Ungewöhnlich war also erstens sein Adressatenkreis: angehende Ingenieure und Techniker, dazu die interessierte Karlsruher Öffentlichkeit, kaum jedoch der "klassische" Geschichtsstudent. Außergewöhnlich war überdies sein methodischer Ansatz, der die Geschichte ganz allgemein als Kulturgeschichte faßte, statt sie auf die politische, die Geschichte der Staaten und ihrer Beziehungen zu reduzieren. Sein Hauptwerk war die 1922 begonnene vierbändige "Deutsche Geschichte im 19. Jahrhundert".

 

Franz Schnabel stand der katholischen Zentrumspartei nahe, war jedoch kein Parteimitglied, weswegen man ihn 1933 nicht aufgrund des "Berufsbeamtengesetzes" entlassen konnte. Seine Zurruhesetzung erfolgte zum 1. Oktober 1936, nachdem das Badische Kultusministerium den Lehrstuhl für Geschichte, den es der Chemie zuschlagen wollte, für entbehrlich erklärt hatte. Erst 1945 konnte Schnabel an die Fridericiana zurückkehren. Bis zu seinem Weggang an die Universität München 1947 hielt er Gastvorlesungen, konnte im übrigen keine Lehrverpflichtungen übernehmen, da ihn die amerikanische Militärregierung am 5. September 1945 zum Landesdirektor der Kultus- und Unterrichtsabteilung ernannt und ihm die Reorganisation des Schul- und Universitätswesens in Nordbaden übertragen hatte. Den Münchener Lehrstuhl hatte Schnabel, der den Zeitpunkt seiner Emeritierung nun selbst bestimmen konnte, bis 1962 inne. Er starb am 25. Februar 1966.