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Modern History/ Technikgeschichte

 

Der folgende Text orientiert sich an dem Text der Webseite 'Neuere und Neueste Geschichte' des Zentrums für Information und Beratung (zib). Er kann dort in der Fassung des zib auch als pdf-Datei abgerufen werden.

Seit Friedrich Nietzsches unzeitgemäßer Betrachtung über den Nutzen und Nachteil der Historie für das Leben (1874) ist offenbar, dass Geschichte nicht aus sich selbst heraus zu verstehen ist. Geschichte ist niemals allein die vergangene Wirklichkeit, sondern deren Konstruktion. Sie ist das Bild, das sich der Mensch von ihr macht. So werden etwa politische Konstellationen der Gegenwart nicht selten in Gestalt von Geschichtsbildern wahrgenommen, die der historischen Wirklichkeit häufig nicht einmal entsprechen. Auch die Geschichtswissenschaft ist von bestimmten Interessen geleitet. Deshalb stellt jede Generation neue Fragen an die Geschichte, an die Historikerzunft, die sich aus den jeweiligen Horizonten ihrer Gegenwart mit der Analyse der Vergangenheit befasst. Geschichtsschreibung zeichnet sich deshalb immer auch durch das Ziel aus, die Zusammenhänge zwischen Interessen, Abhängigkeiten und Absichten zu durchschauen, die das Bild von der Geschichte bestimmen. Neben den Deutungen der Vergangenheit steht die durch Quellen zu erschließende vergangene Wirklichkeit, die mit den Methoden empirischer Sozialforschung ebenso präzise bestimmt werden soll wie mit dem Instrumentarium geschichtswissenschaftlicher Forschung. Es geht also nicht nur darum, dass jede Generation neue Fragen an die Geschichte stellt, es geht vielmehr auch darum, wie zuverlässig die jeweiligen Beantwortungsversuche sind.


 

Studienziele

Im Mittelpunkt des Studiums der Geschichte stehen Lektüre und Interpretation historischer Quellen sowie die Rezeption der entsprechenden Forschungsliteratur. Die Studierenden sollen während ihres Studiums lernen, historische Probleme zu erkennen und in größere Zusammenhänge einzuordnen, also sich das aneignen, was allgemein als 'historisches Denken' bezeichnet wird. Sie sollen ferner Quelleninterpretationen leisten, Fachlich teratur kritisch werten und eigene Positionen formulieren und vertreten können. Dazu gehören formal-methodische Fähigkeiten ebenso wie ein breites historisches Wissen und die Kenntnis der aktuellen Forschungsdiskussion.


 

Anforderungen

Die in den übrigen Geisteswissenschaften ist auch in der Geschichte die wohl wesentlichste Voraussetzung Freude und Interesse an ausgiebiger Lektüre, beginnend bei der Lektüre gängiger überregionaler Zeitungen über die eigentlichen Fachzeitschriften bis hin zu Quellen und Darstellungen. Ob Bismarcks 'Gedanken und Erinnerungen', ein Epochenüberblick etwa von Thomas Nipperdey, eine Arbeit über die Nutzung der Dampfkraft, eine rechtshistorische Abhandlung oder gar ein geschichtstheoretischer Essai (und selbst die Belletristik der verschiedenen Epochen), all dies zählt zum Lektürekanon angehender Historiker. Studenten der Geschichte sind jedoch nicht nur mit dem Lesen von deutschsprachiger Literatur konfrontiert. So sind nicht nur diplomatische Akten in französischer und seit dem 20. Jahrhundert vorwiegend in englischer Sprache verfasst, und da das Studium der Geschichte in Karlsruhe konzentriert ist auf das der neueren und neuesten Geschichte, sollten gerade diese beiden Fremdsprachen beherrscht werden. Zudem werden die wichtigsten Veröffentlichung der internationalen Forschungsgemeinschaft in französisch, vor allem aber englisch publiziert, deren Rezeption entsprechend gute Sprachkenntnisse erfordert. Vorausgesetzt werden Kenntnisse in diesen Fremdsprachen, wahlweise auch einer anderen modernen Sprache (s. Abschn. 3.4), auf eine Sprachprüfung zu Beginn des Studiums wird allerdings verzichtet.


 

Missverständnisse

Historiker sind zumeist mit zwei Vorurteilen konfrontiert: dem einen, dass Geschichte nichts anderes sei als das langweilige Auswendiglernen von Jahreszahlen und Ereignissen, dem zweiten, dass das Studium der Geschichte leicht und ein entsprechender Abschluss billig zu haben sei. Dass Studierende über ein Grundgerüst an Daten und Fakten verfügen, wird eigentlich vorausgesetzt. Weit wichtiger als die Aneignung von 'Geschichtszahlen' ist aber das Erschließen historischer Zusammenhänge und die Erkenntnis der Bedeutung des Erlernten.


 

Das Studium der Neueren und Neuesten Geschichte in Karlsruhe

Bereits mit Gründung der damaligen Technischen Hochschule Karlsruhe 1825 wurde ein zunächst auf die Oberklassen der lokalen Realschule abgestimmter Bildungskanon im Fach Geschichte etabliert. Die angehenden Ingenieure, so auch die Intention bei der Einrichtung eines eigenen Lehrstuhls für Geschichte und Literatur 1860, sollten neben der fachlichen auch eine allgemeinbildende Ausbildung erhalten. Die Karlsruher 'Geschichtsstudenten' waren also lange Zeit Ingenieure und Techniker und der Zuschnitt des Fachs auf sie war prägend. Noch der erste Inhaber einer eigentlichen Professur für Geschichte, Franz Schnabel (1887-1966), sah seine Aufgabe als Historiker in der Vermittlung von Geschichtswissen an die Studierenden technischer Fächer, dazu aber nun auch in der Bewusstmachung des Einflusses von Technik und technischem Wandel auf Geschichte und Gesellschaft. Diesem Umkehrschluss Schnabels ist nicht zuletzt die 1990 begründete Abteilung Technikgeschichte am Karlsruher Geschichtsinstitut verpflichtet. Das bereits bei seiner Gründung auf die Bedürfnisse der Technischen Hochschule zugeschnittene Karlsruher Institut für Geschichte hat zu keiner Zeit das gesamte zeitliche Spektrum der Historie seit der Antike vertreten. Vielmehr war das Geschichtsstudium in Karlsruhe stets das der Neueren und Neuesten Geschichte: eng gefasst jenes der Zeit seit der Französischen Revolution von 1789, etwas weiter gefasst die Epochen seit der Reformation. Entsprechend fehlten die Voraussetzungen für ein Lehramtsstudium, das hier auch heute nicht aufgenommen werden kann. Studienschwerpunkte liegen demnach im 19. und vor allem 20. Jahrhundert, hier in erster Linie bei der Geschichte der Weimarer Republik, des Nationalsozialismus und des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus sowie der Geschichte der Nachkriegszeit und frühen Bundesrepublik. 1992 wurde eine eigene Forschungsstelle 'Widerstand gegen den Nationalsozialismus im deutschen Südwesten' als Abteilung III des Instituts eingerichtet, die den Studierenden nicht nur die Ergebnisse ihrer Forschungen zum Thema vermittelt und sie in aktuelle Forschungsdiskussionen einbezieht, sondern ihnen die Möglichkeit bietet, an diversen Publikationsvorhaben mitzuwirken. Neben der regionalen Zeitgeschichte ist, wie erwähnt, die Technikgeschichte integraler Bestandteil des Karlsruher Geschichtsstudiums, darüber hinaus noch immer Teil der überfachlichen Lehre für Ingenieure und Techniker.


Aktuelle Informationen zum Fach finden sich auf der Homepage des Instituts für Geschichte