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German studies

Der folgende Text orientiert sich an dem Text der Webseite 'Germanistik (Bachelor/Master)' des Zentrums für Information und Beratung (zib). Er kann dort in der Fassung des zib auch als pdf-Datei abgerufen werden.


 

Einführung

Die Germanistik bildete sich, zunächst Deutsche Philologie genannt, als Universitätsdisziplin in der 1. Hälfte des 19. Jahrhunderts heraus. In dieser Zeit war das Fach Nationalphilologie, d.h. es ging in erster Linie um die Sicherung und Herausgabe von literarischen Texten der deutschen Sprache vom Mittelalter bis zur unmittelbaren Gegenwart. Um 1900 etablierte sich die seitdem bestehende Dreiteilung in die Teildisziplinen Neuere Deutsche Literaturwissenschaft, Ältere Deutsche Literaturwissenschaft (Mediävistik) und Sprachwissenschaft. Über den Methodenpluralismus der 1920er Jahre nach den Leitideen der Geistesgeschichte hinweg differenzierte sich das Fach seit den 60er Jahren in unterschiedliche Formen der Auseinandersetzung mit Literatur im kulturgeschichtlichen Kontext (Linguistik, Sozialgeschichte, Medientheorie, Poststrukturalismus, Cultural Studies u. a.).


 

Studienziele

In der Germanistik werden literarische (poetische wie nichtpoetische) Texte vom 8. Jahrhundert bis zur Gegenwart im kulturgeschichtlichen Zusammenhang behandelt. Im Vordergrund der germanistischen Arbeit steht die methodengeleitete Interpretation von Texten und ihre literatur-, sozial- und kulturgeschichtliche Kontextualisierung. Die Inhalte des Studiums der Germanistik bilden ein einheitliches Stoffgebiet, das die Literatur vom 8. bis zum 15. Jahrhundert (Teilbereich 'Mediävistik') und vom 15. Jahrhundert bis zur Gegenwart (Teilbereich 'Neuere deutsche Literaturwissenschaft') unter den Perspektiven der Philologie, der Literaturgeschichte und der Literaturtheorie erfasst. Die Philologie beschäftigt sich mit der Literatur u. a. nach folgenden Gesichtspunkten: Textkritik und Textedition, methodengeleitete Interpretation (Hermeneutik, Positivismus, Geistesgeschichte, Werkimmanenz, Strukturalismus, Diskursanalyse, Dekonstruktion, Sozialgeschichte, medientheoretische Ansätze, New Historicism u. a.). Daneben behandelt sie auch die Geschichte und Theorie von Bereichen, die an Literatur angrenzen: u. a. Theaterwissenschaft, Medienwissenschaft, Film- und Fernsehwissenschaft.

Seit einigen Jahren verändert sich die Germanistik (insofern sie zunehmend andere Medien und Kulturen beobachtet) zu einer Kulturwissenschaft im umfassenden Sinn.

Die Literaturgeschichte untersucht Literatur in ihren historischen Zusammenhängen und Entwicklungen sowie die Wechselbeziehungen der deutschen Literaturgeschichte zu anderen Literaturen. Sie fragt nach der historischen Abfolge von Texten und den historischen Beziehungen zwischen Texten und den jeweiligen Zeitverhältnissen; hierbei spielen u. a. die Biographie eines Autors und historische Ereignisse eine Rolle. Daneben ist aber auch relevant, in welcher Weise ein Text auf vorhergehende oder zeitgleiche Texte reagiert, indem er Motive, Formen und Strukturen aufgreift und abwandelt. In diesem Zusammenhang werden die Texte auch in vergleichender Perspektive (darüber hinaus mit anderen Nationalliteraturen) betrachtet. Die Literaturtheorie reflektiert Methoden der Deutung und Erfassung von Literatur, das grundlegende Problem des Verhältnisses von Inhalt und Form, die Stofforganisation und Stoffverarbeitung. Sie beobachtet stilistisch-formale Kategorien, erforscht Aspekte der Publikumsbezüge (Lesererwartung, Rezeption, Intermedialität), der sozialen Einbindung und Funktion von Literatur und ihrer Position innerhalb von gesellschaftlichen, kulturgeschichtlichen und medialen Entwicklungen.

Den Studierenden der Studiengänge Germanistik als Kern- bzw. als Wissenschaftliches Ergänzungsfach werden Kenntnisse und methodische Fähigkeiten vermittelt, die sie in die Lage versetzen, auch Leistungen einer partiell fremd gewordenen Kultur zu verstehen, eigene Denkweisen zu relativieren und zugleich objektivierende Verfahren anzuwenden, mit denen die geschichtlichen Gegenstände angemessen erfasst und erklärt werden können. Im Teilbereich Mediävistik treten neben die historischen Inhalte und Verfahren des Fachs die im engeren Sinn philologischen Aspekte (Übersetzen aus dem Deutsch des Hoch- und Spätmittelalters, Übersetzungstheorie).

Eine weitere Studienkomponente der Germanistik, auch an der Universität Karlsruhe, ist die Interkulturelle Germanistik. Sie befasst sich mit deutscher Sprache, Literatur und Kultur in ihren Wechselbeziehungen zu anderen Sprachen, Literaturen und Kulturen in Gegenwart und Geschichte und vermittelt neben Methoden der Sprach-, Text- und Diskursanalyse auch Konzepte und Leitbegriffe der Kulturanalyse (Kulturthemen, kulturelles Erbe u. a.). Als angewandte Philologie berührt sie sich auch mit Deutsch als Fremdsprache.

Darüber hinaus gehören zum Studium der Germanistik Grundkenntnisse der Linguistik, der Semiotik und der Sprachgeschichte, die in Karlsruhe ebenfalls vermittelt werden. Aus der Wissenschaftsgeschichte des Fachs werden vor allem Probleme der Methoden- und Institutionengeschichte als Formen der Selbstreflexion des Fachs behandelt.


 

Anforderungen, Voraussetzungen, Begabungen

Studierende der Literaturwissenschaft sollen in ihrem Studium lernen, literaturwissenschaftliche Probleme zu erkennen, selbständige Interpretationen literarischer Texte vorzunehmen und wissenschaftliche Arbeiten kritisch zu beurteilen. Dazu gehören zum einen formal-methodische Fähigkeiten der begriffsgeleiteten Analyse, zum anderen Kenntnisse literarischer Texte vom 8. Jahrhundert bis zur Gegenwart und ihres literaturgeschichtlichen und sozio-kulturellen Kontextes. Bei der wissenschaftlichen Beschäftigung mit Literatur spielen eine Reihe weiterer akademischer Fächer wie Geschichte, Philosophie, Soziologie, Kunst- und Musikwissenschaften, Psychoanalyse und andere Philologien (Romanistik, Anglistik u.a.) hinein. Für ein Studium der Literaturwissenschaft ist die erste Voraussetzung, dass man viel und gern liest. Das Interesse sollte sich dabei auch auf Texte richten, die zunächst fremd erscheinen (ältere und fremdsprachige Texte, theoretische Abhandlungen usw.). Nicht immer ist das Lesen also ein reines Vergnügen. Vor allem sind, um ein angemessenes Bild der deutschen Literaturgeschichte zu erhalten, große Textumfänge zu bewältigen. Regelmäßige, d. h. ständige Lektüre ist notwendig. Dies betrifft ebenso die Lektüre von Sekundärliteratur sowie von Zeitschriften und Zeitungen (Debatten im Literaturbetrieb). Nur so lassen sich Leseerfahrungen sammeln, die einen analytischen Zugang zu Textverhältnissen ermöglichen. Darüber hinaus gehört zum Studium der Literaturwissenschaft das Interesse an anderen Medien (Film, Fernsehen, Theater, Kunst, Werbung) und Ereignissen der publizistischen Öffentlichkeit (kulturelle, politische, ökonomische, gesellschaftliche und naturwissenschaftliche oder vergleichbare Debatten in Zeitung, Zeitschrift, Radio, Fernsehen, Internet usw.).


 

Missverständnisse

Das Studium der Germanistik beinhaltet keine Ausbildung zum literarischen und feuilletonistischen Schreiben; es werden daher keine creative writing-Kurse angeboten. Im Mittelpunkt steht die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Literatur und Kultur (s. o.). Subjektive Befindlichkeiten und Geschmacksurteile sind nicht angebracht. Es geht vielmehr um den methodengeleiteten und systematischen Umgang mit literarischen und kulturellen Sachverhalten. Ein typisches Missverständnis glaubt, das Studium der Germanistik sei leicht zu bewältigen, weil man als Muttersprachler über die deutsche Sprache ohnehin verfüge. Tatsächlich aber ist das Studium äußerst voraussetzungsreich. Die Hauptbeschäftigung stellt die selbständige Arbeit am Schreibtisch zu Hause dar. Der Besuch von Vorlesungen und Seminaren allein genügt nicht.


Aktuelle Informationen zum Fach finden sich auf der Homepage des Instituts für Literaturwissenschaft